Resilienz - Prävention für das Immunsystem der Seele

Wer seelisch krank ist, muss sich auf eine längere Auszeit vom Berufsleben einstellen. Nach dem DAK Krankenreport 2015 haben Seelenleiden eine sehr lange Erkrankungsdauer – durchschnittlich 36,5 Tage. Zum Vergleich: Die durchschnittliche Erkrankungsdauer über alle Krankheitsgruppen beträgt 11,7 Tage. Die psychische Gesundheit zu erhalten, ist deshalb in der Prävention von großer Bedeutung. In diesem Zusammenhang ist in jüngster Zeit das Thema ‚Resilienz‘ in den Vordergrund gerückt. Darunter versteht man die psychische Widerstandsfähigkeit, also die Fähigkeit,  Krisen zu bewältigen. Resilienz kommt vom lateinischen Verb ‚resilire‘, das heißt ‚zurückspringen und abprallen‘. Ein Thema, das bereits in den Fünfziger Jahren, gerade auch in Amerika, aufgegriffen wurde. Bei uns wird es jetzt im Zusammenhang mit  Begriffen wie ‚Burnout‘ und einer zunehmenden Beschleunigung in unserer Gesellschaft einen immer größeren Stellenwert bekommen. Wie können wir Menschen ‚resilient‘ machen?  Wie kann die Krise zu einem produktiven Zustand werden, so dass man gestärkt aus ihr hervorgeht?

Das sind die Fragen, die man auch im Zusammenhang mit den Bereichen betriebliches Gesundheitsmanagement und Gesundheitsförderung stellen muss. Die bayerischen Heilbäder und Kurorte können hier wertvolle Beiträge zu diesem Thema leisten. Sie haben nicht nur natürliche Heilverfahren und ortsgebundene Heilmittel mit langer Tradition, sondern auch eine hohe medizinische und therapeutische Kompetenz. Schon Pfarrer Sebastian Kneipp hat in seiner ‚Ganzheitlichen Lehre für Körper, Geist und Seele‘ der Ordnungstherapie ein hohes Maß an Bedeutung zugeordnet. Er war es, der gesagt hat: „Erst als ich an die Seele meiner Patienten herankam, konnte ich ihnen wirklich helfen“. Können die Kurorte nicht einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit leisten, sozusagen Prävention für das Immunsystem der Seele anbieten? Ich glaube, ja!

Die Therapeuten und Ärzte, aber auch die Verbindung zur Spiritualität sind hier ganz wichtige Themen, die unsere Heilbäder und Kurorte aufgreifen können. Wir sollten unsere Stärken vor Ort nutzen, um dem Thema ‚Resilienz‘ einen neuen Schub zu verleihen und Programme zu entwickeln. Wir können Menschen in einer Zeit, die immer schneller tickt, die oft nach dem Motto ‚höher, weiter, schneller‘ geht, die richtigen Impulse und Therapien für ihr seelisches Immunsystem geben. Die innere seelische Widerstandsfähigkeit trägt letztlich dazu bei, dass Menschen gesünder, leistungsfähiger und motivierter sind und Krisen besser und schneller meistern. Das ist nicht nur für ihr Berufsleben wichtig, sondern für ihre Familie und in ihrem ganz persönlichen Umfeld. Auch Arbeitgeber profitieren davon: denn gesunde und motivierte Mitarbeiter sind entscheidend für den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens.

Dringend nötig ist in diesem Zusammenhang der Ausbau der Resilienzforschung. Eingebaut werden sollte hier das Thema der ‚Psychoneuroimmunologie‘. Dabei geht es um die Frage, warum sich psychologische und psychotherapeutische Prozesse nachweisbar auf körperliche Funktionen auswirken. Im Mittelpunkt steht die Wirkung der Psyche auf das Immunsystem, z. B. warum Stress Immunfaktoren negativ beeinflussen kann. Genau hier haben wir die direkte Verbindung zur Resilienz. Wenn wir die psychische Widerstandsfähigkeit des Menschen stärken, entstehen solche negativen Auswirkungen erst gar nicht.

Gerade im Bereich der Prävention haben wir ein unglaublich breites Spektrum von Themen, die wir angehen müssen. Ich denke dabei vor allem an Kinder und Jugendliche. Für sie ist die Stärkung dieser Widerstandsfähigkeit ein ganz wichtiges Element, um später auch den Herausforderungen im Leben gewachsen zu sein.

Zusammengefasst, bietet das Thema Resilienz eine neue Chance zur Profilierung für die bayerischen Heilbäder und Kurorte. Wir müssen ausgebildete Trainer zum Thema ‚ Die seelische Widerstandskraft stärken‘ in unser Angebot implementieren. Wir sollten das Thema Resilienz in unser einzigartiges Bündnis für gesunde Mitarbeiter aufnehmen. Es kann sich zur  neuen Schlüsselkompetenz für uns entwickeln. Die Welt ist schneller und veränderlicher geworden. VUKA  ist ein neues Schlagwort dafür. Also volatil, veränderlich, unsicher, komplex und ambivalent. Wir müssen uns ständig neu ausrichten und neu organisieren. Innovationen sind gefragt, ebenso wie interdisziplinäre Kooperationen, etwa mit Universitäten. Wir können beim Thema Resilienz in den bayerischen Heilbädern und Kurorten einen immensen Beitrag leisten.

 

Ein Beitrag von Klaus Holetschek, MdL, Vorsitzender des Bayerischen Heilbäder-Verbandes e.V.